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Coworking Toddler lernt laufen – unser Jahresrückblick 2015

Das neue Jahr ist schon gut eine Woche alt und bevor wir die Ärmel hochkrempeln, um wieder so richtig durchzustarten, wollen wir noch einmal in das letzte Jahr zurückblicken. Eines steht wohl fest: 2015 hat unser „Toddie“ die Krabbelphase beendet, um endlich laufen zu lernen. Coworking Toddler ist nicht nur eine verdammt gute Idee engagierter Eltern mit einer großen Fangemeinde, die auf den Social-Media-Kanälen mit uns mitfiebert und uns bei unserer großen Crowdfunding-Kampagne grandios unterstützt hat. Nein, Coworking Toddler ist endlich etwas zum Anfassen geworden. Es gibt jetzt einen Briefkasten und einen offiziellen Handelsregisterauszug, Zeitungsartikel auf Papier und einen Schlüssel für angemietete Räumlichkeiten im Herzen des Prenzlauer Bergs. Wir haben gezeigt, dass wir es ernst meinen und gewillt und in der Lage sind, Nägel mit Köpfen zu machen.

Aus Skepsis wird ein Lächeln

„Ich habe mich seitdem immer wieder über den Stand erkundigt und freue mich sehr, dass Sie kurz vor der Eröffnung stehen. Und ich möchte Ihnen gratulieren, dass Sie es in so kurzer Zeit geschafft haben, mit uns einen Weg für dieses Projekt zu finden – von dem ich wirklich sehr begeistert bin.“

Diesen Satz haben wir im Dezember 2015 auf einem Berliner Behördenflur gehört. Anfang 2015 hätten wir davon nicht zu träumen gewagt. Denn damals lag uns noch der erste Termin mit der Berliner Senatsverwaltung schwer im Magen. Bevor wir den antraten, gingen uns viele Fragen durch den Kopf: Lässt sich unser Projekt überhaupt mit den strengen behördlichen Auflagen vereinbaren? Akzeptieren die Behörden neuartige Betreuungsmodelle, die noch nicht erprobt sind? Was ist, wenn es heißt: Nein, Eltern, die sich in der Nähe der betreuten Kinder aufhalten – so etwas ist per se nicht genehmigungs- und förderfähig?

Wir blickten in staunende Augen der Behördenmitarbeiter, als wir die Idee von Coworking Toddler vorstellten. Dann begannen die kritischen Fragen, die wir mit gut durchdachten Argumenten und

Eine Vorschau auf die Praxis: Im Kindercafé Panama erprobten wir unser Konzept. Während die Kinder auf einer Ebene betreut wurden, konnten die Eltern wenige Treppenstufen höher konzentriert arbeiten.

Eine Vorschau auf die Praxis: Im Kindercafé Panama erprobten wir unser Konzept. Während die Kinder auf einer Ebene betreut wurden, konnten die Eltern wenige Treppenstufen höher konzentriert arbeiten.

Herzblut beantworteten – im Namen vieler Eltern und Kinder, die sich eine Kinderbetreuung wünschten, die sich endlich wirklich an ihren Bedürfnissen orientiert. Auch wenn Zweifel und Skepsis geäußert wurden und es auch Momente gab, in denen wir dachten: Ok, es ist kaum möglich, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen – wir beendeten das Gespräch mit einem hoffnungsvollen Lächeln der Behördenmitarbeiter und traten in einen konstruktiven Dialog ein.

Momente wie der, in dem wir auf dem Behördenflur solchen Zuspruch erfuhren, gehen nach dem teilweise sehr steinigen Weg, den wir im Frühjahr 2015 beschreiten mussten, runter wie Öl. Denn eines war nach dem Termin mit der Senatsverwaltung klar: Es gibt eine Menge „Hausaufgaben“ für uns. Wir wollen am ersten Standort eine Vollzeitbetreuung anbieten, mit Kita-Gutschein gefördert und mit staatlich anerkannten Erziehern, die unsere Toddler liebevoll betreuen und altersgerecht fördern. Aber zu Beginn unserer Gespräche mit den Ämtern waren wir Greenhorns und hatten weder einen Überblick über die unzähligen Gesetze und Verordnungen, noch eine Orientierung in dem scheinbar undurchdringlichen Dschungel der zu beteiligenden Behörden, noch eine Ahnung von dem komplexen Verfahren einer Kita-Gründung.

Aber wir steckten den Kopf nicht in den Sand, jammerten nur kurz und machten uns an die Pionierarbeit – neben unseren „normalen“ Jobs. In der Straßenbahn, nachts und am Wochenende, ja sogar beim Arzt im Wartezimmer und als der Friseur unsere Haare schnitt. Dann beschlossen wir praktische Erfahrungen zu sammeln und testeten unser Konzept erfolgreich im Kindercafé Panama in Berlin.

Statt in den Urlaub zu fahren, studierten wir gefühlt (zum zweiten Mal) Jura, knüpften hilfreiche Kontakte, gründeten eine Gesellschaft und beschlossen, eine Crowdfunding- Kampagne zu starten. Wir lernten unheimlich viele tolle Wegbegleiter und Unterstützer kennen. Wir besuchten Veranstaltungen wie die #dclass conference und wurden zu Diskussionsrunden eingeladen, zum Elternkongress von At Kearney und ins Familienministerium. Wir konnten sogar Familienministerin Manuela Schwesig höchstpersönlich eine Infomappe zu unserem Konzept in die Hand drücken – und platzten fast vor Stolz, als sie uns sagte, dass sie schon von uns gehört hat. Das alles machte Riesenspaß, aber es kostete auch eine Menge Kraft – die wir aus der großartigen und stetig wachsenden Coworking-Toddler-Fangemeinde schöpften.

Crowdfunding und Presserummel

Prägend in 2015 war natürlich unsere erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne bei Startnext im Frühsommer. 3 Monate harte Arbeit und eine Achterbahn der Gefühle! 24 Stunden online, überhitzte Rechner, Mausarme und tiefe Augenringe sowie Nerven, die nur noch an Drahtseilen hingen.

Schließlich wurden wir belohnt: Mit einer Summe von rund 16.000 Euro und einem Presserummel, den wir uns niemals erträumt hatten.

Bei der großen Familiensause am Berliner Helmholtzplatz haben wir während unserer Crowdfunding-Kampagne viele Unterstützer persönlich getroffen und mit ihnen Waffeln gegessen.

Bei der großen Familiensause am Berliner Helmholtzplatz haben wir während unserer Crowdfunding-Kampagne viele Unterstützer persönlich getroffen und mit ihnen Waffeln gegessen

Plötzlich wurde über uns nicht mehr nur online berichtet, sondern in namhaften Zeitungen und Magazinen, im Radio und sogar in anderen europäischen Ländern. Wir waren Teil der re:publica und durften dort die Kinderbetreuung mitorganisieren. Und wir feierten ein unvergessliches Crowdfunding-Fest mit unseren wunderbaren Fans, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre.

Da waren wir in einem anderen Themenbereich längst schon sehr ungeduldig: der „Immobilienfrage“. Denn von Beginn an haben wir eine intensive Odyssee durch den Berliner Immobilienmarkt erlebt. Wir haben ja schon ausführlich darüber berichtet: Wir haben etliche Räume besichtigt und müssten viele herbe Rückschläge verkraften.

Im Herbst 2015 hatten wir dann endlich ein Objekt gefunden, das passen könnte. Schnell musste ein Grundriss gezeichnet werden und der aus Israel angereiste Vermieter in einer Hotellounge davon überzeugt werden, dass nicht das Eierkuchen-Restaurant, sondern Coworking Toddler in die Immobilie gehört. Verhandeln. Warten. Zittern. Zuschlag! Dann ging es ans Eingemachte: Vier Behörden mussten den Grundriss prüfen, zwei Behörden mussten die Räumlichkeiten besichtigen und alle mussten ihr „Okay“ geben. Wir fluchten, lachten, weinten – zerknüllten einen Grundriss und malten den nächsten, schleppten uns krank und mit Kind auf dem Arm, zum Amt, um den richtigen Sachbearbeiter in Erfahrung zu bringen… Keiner von uns weiß eigentlich genau, wie wir es hinbekommen haben, aber: Innerhalb von zwei Wochen hatten wir die Zustimmung der Kitaaufsicht, des Jugendamtes, der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht und des Umwelt- und Hygieneamtes – und konnten den Mietvertrag unterzeichnen.

In vielen Gesprächen mit den Behörden konnten wir von unserem Konzept überzeugen.

In vielen Gesprächen mit den Behörden konnten wir von unserem Konzept überzeugen.

Ende des Jahres kam dann der große Gänsehaut-Moment: Die Handwerker begannen, angeleitet von unserem wunderbaren Architekten, alte Einbauten und Wände abzureißen – und ruckzuck waren auch schon neue aufgestellt. Noch nie in unserem Leben haben wir uns so sehr über Baulärm, Staub und Schutt gefreut!

2016: aus dem „JA“ muss jetzt nur noch die Betriebserlaubnis werden

Das, was in den kommenden Wochen und Monaten folgen wird, ist noch ein großes Stück Arbeit. Denn aus den generellen „Ja“ der Ämter müssen nun konkrete Genehmigungen werden. Diese können natürlich erst dann erteilt werden, wenn die Räume fertig umgebaut und eingerichtet sind. Dann kommen uns noch einmal alle Behördenmitarbeiter, zusätzlich auch das Bauamt und der Brandschutzmeister „besuchen“. Zum Fluchtwegeablaufen, Waschbeckenzählen und Garderobenhaken-Abstand-Messen. Und wenn alle noch einmal ganz konkret „JA“ sagen, dann haben wir sie endlich – unsere Betriebserlaubnis. Dann hat unser Toddie Schritt für Schritt endlich das Ziel erreicht: Einen Ort, in dem Kinder lachen, toben und spielen – mit einem guten Gefühl, denn Mama oder Papa arbeiten gleich nebenan.