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„Ich wünsche Coworking Toddler viele Unterstützer!“

Nora Umlau ist Journalistin, Fachautorin für Familienthemen – und eine der Expertinnen für bedürfnisorientierten Umgang mit Babys in Deutschland. Sie schreibt unter anderem regelmäßig für die Zeitschrift „Eltern“ und hat zwei Ratgeber für Eltern veröffentlicht: „Crashkurs Baby“ und „Das Geheimnis zufriedener Babys“. Wir haben die Mutter von zwei Töchtern getroffen und mit ihr über die Idee von Coworking Toddler gesprochen – das Arbeiten mit Kind.

 

Liebe Nora, deine beiden Töchter sind keine Toddler mehr, aber wäre es damals für dich in Frage gekommen, an einem Ort zusammen mit deinen Kindern zu arbeiten?

Ich hätte so ein Angebot damals bestimmt in Anspruch genommen. Vor allem auch ein bindungs- und bedürfnisorientiertes Betreuungsangebot hätte ich mir damals sehr gewünscht. Dabei wäre ein reines Eltern-Kind-Büro eher nicht für mich in Frage gekommen. Ich muss mindestens etwa fünf Stunden am Tag produktiv arbeiten und bei dieser Betreuungsform wäre es wahrscheinlich schwierig gewesen, das zu schaffen.norazitat1

Du setzt dich für eine bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung von Kindern ein. Welchen Beitrag kann Coworking Toddler für zu diesem Erziehungsstil leisten?

Ich empfinde es als sehr traurig, dass der wertschätzende Umgang, für den ich mich einsetze, in vielen Kitas nicht
weitergelebt wird. Wenn die Eltern in der Nähe der Kinder arbeiten, dann ist es möglich, diesen Erziehungsstil auch in der Zeit zu verwirklichen, in der die Eltern arbeiten. Dies wird jedoch nur dann funktionieren, wenn die Kooperation und Abstimmung mit den Erziehern funktioniert – und die Eltern den Erziehern vertrauen.

Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen für Kinder, Eltern und Erzieher, wenn Kinderbetreuung und Arbeit gemeinsam unter einem Dach erfolgen?

Viele der arbeitenden Mütter und Väter befinden sich im Alltag entweder im Mama/Papa-Modus oder im Job-Modus, bzw. denken, dass es besser ist, diese Rollen voneinander zu trennen. Ich kann mir vorstellen, dass die Verbindung dieser Rollen, so wie sie dann bei Coworking Toddler stattfinden wird, für viele Eltern ungewohnt und gewöhnungsbedürftig ist. Gleichzeitig birgt die Aufhebung dieser Rollen die Chance, den Mama/Papa-Modus und den Job-Modus besser miteinander zu vereinbaren.

Die größte Herausforderung für die Kinder wird sicherlich sein, die Trennung von den Eltern zu akzeptieren, obwohl diese in der Nähe arbeiten. Ich habe damals eine Zeit lang zu Hause mit einem Babysitter gearbeitet. Das war teilweise schwierig, denn meine Tochter hat nicht verstanden, warum ich in der Nähe bin, aber nicht mit ihr spiele. Allerdings denke ich, dass eine Betreuung an einem neuen Ort, mit anderen Menschen und nach bestimmten Regeln eine neue Situation schafft, an die sich die meisten Kinder sehr schnell gewöhnen werden.

norazitat2Bezüglich der Erzieher habe ich eher die Erfahrung gemacht, dass die es oft als „Einmischen“ empfinden, wenn Eltern an der Betreuung der Kinder teilhaben wollen. Dabei habe mir immer schon gewünscht, dass sie mit den Eltern an einem Strang ziehen und sich intensiver mit deren Anliegen auseinandersetzen. Der enge Kontakt mit den Eltern stellt sicherlich eine große Herausforderung dar, bringt aber auch die Chance mit sich, dass die Arbeit der Erzieher höher wertgeschätzt wird. Erzieher sind eben nicht nur „Basteltanten“.

Welchen Beitrag kann Coworking Toddler für mehr Vereinbarkeit leisten?
Für bestimmte Berufsgruppen kann Coworking Toddler einen sehr wertvollen Beitrag zu mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie leisten. Es wäre natürlich toll, wenn nicht nur Akademiker davon profitieren. Für Erzieher oder Bäcker lässt sich ein solches Konzept nur schwer umsetzen. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass Coworking Toddler für diese Jobs ebenfalls einen wertvollen Beitrag zu mehr Vereinbarkeit leisten kann: Als Ort, an dem Eltern einfach in Ruhe gewisse alltägliche Dinge am Schreibtisch erledigen können – z. B. eine Steuererklärung.

Was wünschst du Coworking Toddler – insbesondere auch jetzt in der Crowdfunding-Phase?norazitat4

Es gibt derzeit so viele Crowdfunding-Kampagnen, Petitionen
und Aktionen in den sozialen Netzwerken – ich wünsche Coworking Toddler, dass das Projekt darin nicht untergeht. Und natürlich wünsche ich Coworking Toddler möglichst viele Unterstützer – für das Crowdfunding vor allem viele Spenden, es muss ja kein großer Beitrag sein. Ich denke da konkret an das, was man sonst schnell mal nebenbei für einen Kaffee und ein Croissant ausgibt – 5 Euro. Jeder, dem die Idee gefällt, soll spenden – damit dieses wertvolle Projekt eine Chance erhält und sich etablieren kann.

Zur Kampagne geht es direkt hier entlang: www.startnext.com/coworkingtoddler

 

Foto: Malina Ebert, www.malinaebert.com