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Unsere Kita-Eingewöhnung im Coworking Toddler

Letztes Jahr hatte ich auf unserem Familienblog darüber berichtet: das Projekt Coworking-Toddler. Schon damals war ich hellauf begeistert von der Idee und der Möglichkeit, am gleichen Ort zu arbeiten und das Kind betreuen zu lassen. Leider fehlte mir damals noch die Idee und auch der Wille, dort selbständig zu arbeiten. Im Laufe der Zeit ergab sich das aber dann wie von selbst – unser Plan, mit einer Selbständigkeit im Internet ein ortsunabhängiges Einkommen zu erschaffen und damit als Familie im Ausland zu leben. Mit etwas Glück ergatterten wir auch einen der zwölf Plätze am Standort Prenzlauer Berg.

Kurzum: Am Mittwoch, 7.9.2016 war es so weit: Wir hatten unseren ersten Tag in der „Babyschule“, wie sein Papa es liebevoll bezeichnet.

Kita-Eingewöhnung: die ersten drei Tage

Wir hatten eine Liste bekommen, was wir alles mitbringen sollten für den Start. So schoben wir mit einem Kinderwagen bepackt wie für eine Reise in den Vorhof, der liebevoll mit Pflanzen, Sandkasten, Spielhaus und diversen Fahrzeugen (Bobby-Car, Dreirad, Lauflernwagen, etc.) und Spielzeug bestückt ist. Für den Rubbelbatz gab es bei dem Anblick kein Halten mehr: er wand sich und quengelte und musste sofort raus. Er stürmte zum Dreirad und legte los. Der Erzieher, seine künftige Haupt-Bezugsperson übrigens, sah mich grinsend an. Ja, das ist mein Kind. Sandra, die Gründerin, die wir schon vom Besichtigungstermin kannten, kam uns lächelnd entgegen. „So war er auch, als er das erste Mal hier war. Hat sich nichts geändert,“ kommentierte sie.

Wir gingen nach drinnen und führten eine Art Kennenlerngespräch, in dem ich z.B. nach Besonderheiten bei meinem Kind gefragt wurde. Im Endeffekt gibt es da gar nicht so viel. Er soll keinen Zucker essen, kann nicht still sitzen und trägt Stoffwindeln. Sonst ist er einfach nur ein Kind. Was wir von den Erziehern erwarten, wurden wir gefragt? „Eigentlich nichts. Er soll einfach nur herkommen, spielen und Spaß haben.“ Und das tat er von der ersten Stunde an. Er erkundete die Räumlichkeiten im Schnelldurchlauf, wollte überall hoch, rein, drüber, drunter, alles anfassen, an allem mal ruckeln und austesten. Vor allem die älteren Jungs fanden sein wildes Erkunden offensichtlich spannend und der ein oder andere folgte ihm und spielte und kletterte gleich mit. Nach einer Stunde war der Spaß auch schon vorbei und wir verabschiedeten uns bis zum nächsten Tag, der ganz ähnlich verlief.

Am Freitag durften wir dann schon etwas länger bleiben und auch am Morgenkreis teilnehmen. Morgenkreis bedeutet singen, musizieren und tanzen. Und Morgenkreis bedeutet auch stillsitzen. Schwieriges Thema, wie mir dabei wieder vor Augen geführt wurde. Er setzte sich zwar anfangs zu uns, war aber dann ganz schnell wieder abgelenkt von der neuen Umgebung und dem ganzen Spielzeug.

Der Erzieher – die Bezugsperson

Was mir an diesem dritten Tag auch klar wurde: unser Bezugserzieher ist genau richtig für unseren Kleinen. Er hält nicht viel von Zwang, sondern vertraut darauf, dass sich das alles mit der Zeit schon „eingroovt“. Er passt auf, dass sich die Kinder nicht verletzen und ein paar entsprechende Regeln einhalten, ansonsten lässt er sie einfach machen. Finde ich total klasse. Er spielte mit meinem Kind, wenn es sich ergab, allerdings total unaufdringlich und nur, wenn der gerade die Ruhe dazu hat. Ich würde nicht behaupten, dass mein Sohn innerhalb von drei Tagen schon eine Beziehung zu ihm aufgebaut hatte, allerdings merkte man, dass er ihn mag. Er saß ganz selbstverständlich auf seinem Arm und wollte nicht sofort zu mir, wenn ich neben den beiden stand. Das war ein gutes Zeichen.

 

Erste Trennungsversuche

Am vierten Tag, das war ein Dienstag, verließ ich das erste Mal das Gelände. Es war ein schöner Septembermorgen und die Kinder spielten draußen. Ich verabschiedete mich und ging. Mein Sohn schien das kaum zu registrieren, er spielte weiter. Als ich nach 10 Minuten wieder kam, war ihm aber offenbar schon aufgefallen, dass Mama weg ist. Allerdings ließ er sich ganz leicht von seinem Erzieher ablenken und es floss keine Träne.

Erst am zweiten Trennungs-Tag passierte es: Er sah mich durch das Tor gehen und bevor er nachkommen konnte, schloss sich dieses wieder. Geschlossene Türen und Kleinkinder sind ja häufig so eine Sache. Und wenn die Mama auf der anderen Seite weggeht, macht es das nicht einfacher. Er weinte. Brüllte. Ganz fürchterlich. Ich stand hinter dem Zaun und konnte ihn schreien hören. Ein schreckliches Gefühl. Ich wollte zurücklaufen, zwang mich aber, abzuwarten. Er ließ sich scheinbar nicht beruhigen.

Eine Erzieherin wollte mich gerade herein lassen, als ich die zündende Idee hatte: Essen. Ich reichte ihr einen Behälter mit Apfelschnitzen durch das Tor und es funktionierte. Mein Kleiner beruhigte sich so weit, dass er die nächsten 30 Minuten ohne mich überstand. Sicherheitshalber ging ich aber keinen Schritt weit vom Zaun. In der Zwischenzeit fütterte er wohl den Erzieher mit dem Apfel, meckerte hin und wieder und blieb sicherheitshalber auf dessen Arm. In den folgenden Tagen achteten wir darauf, dass ich mich zwar verabschiedete, aber er das Tor bzw. Tür nicht zugehen sah. Die Trennung war dann keine große Sache mehr.

Viel mehr zu schaffen machte uns wochenlang sein Schlafrhythmus. Unser Frühaufsteher-Kind (4 Uhr ist keine Seltenheit) hatte sich nämlich angewohnt, den fehlenden Schlaf am Vormittag nachzuholen. Zwischen 8 und 10 Uhr legte er täglich ein ca. 1-stündiges Nickerchen ein, um dann meist den restlichen Tag ohne Schlaf durchzuhalten. Manchmal schlief er auch noch ein zweites Mal, häufig auch nicht.

Es dauerte bestimmt 4 Wochen, bevor er den Vormittag wirklich genießen konnte. Vorher kam früher oder später jeden Tag der Punkt, an dem er vom Erzieher eigentlich nur noch getragen werden wollte. Geholfen hat oft ein kleiner Zwischensnack in Form eines Fruchtmuß-Quetschbeutels.

Gemeinsames Mittagessen

Auch die Regeln für’s Mittagessen sind in der Kita natürlich ganz andere. Es wird zum Beispiel gewartet, bis der Tischspruch gesagt wurde und es gibt nicht immer sofort was, wenn er sitzt. Manchmal steht das Essen schon da, aber er muss noch 5-10 Minuten warten. Das fiel ihm anfangs sehr, sehr schwer. Mittlerweile kennt er die Gepflogenheiten gut und scheint sie auch zu genießen. Während er sie anfangs wütend wegzog, streckt er jetzt fröhlich die Hände zum Nachbarn beim Tischspruch, bei dem sich alle an den Händen fassen. Auch kann er immer länger am Tisch sitzen bleiben. Anfangs war er nach gefühlten 2 Minuten fertig und wollte dann sofort nach Hause.

Schlafen in der Kita

Einfach hinlegen? Keine Chance!

Ein großes Problem. Ich hatte zwar einen kleinen Schimmer Hoffnung, im Endeffekt aber nicht wirklich daran geglaubt, dass er sich hinlegt und schläft, nur weil alle Kinder das tun. Eines Tages nahm sein Erzieher ihn also mit und ich wartete versteckt im Gemeinschaftsraum. Er fand es schon spannend, wollte aber keinesfalls auf der Matratze liegen, sondern fing entweder an zu weinen oder wanderte sofort wieder los. Also nahm ich ihn mit nach Hause. Am dritten Tag wusste er dann ganz genau, wo ich sitze und nach ein paar Minuten kam er an, damit ich ihn mitnehme. Das Ganze war ein Spiel geworden.

Schlafen in der Trage? Wutausbruch!

Also versuchten wir es so: ich ließ ihn bei mir in der Trage einschlafen, legte ihn dann auf der Matratze ab. Zur Sicherheit blieb ich die ersten 2 Tage, um zu sehen, wie er reagiert, wenn er aufwacht. Er weinte nicht und schien zufrieden. Super. Problem gelöst. Dann könnten wir das irgendwann auf den Erzieher übertragen und ich kann zurück an die Arbeit.

Dann waren wir im Urlaub in Wien, danach war meine Familie zu Besuch. Insgesamt 2 Wochen schlief er deshalb nicht in der Kita, sondern war nur vormittags da. Als ich ihn am Tag danach in die Trage nehmen wollte, wehrte er sich mit Händen und Füßen und brüllte, so laut er konnte. Also ließ ich ihn, ausnahmsweise und nur dieses eine Mal, an der Brust einschlafen. Ich ging zurück an meinen Arbeitsplatz, wurde aber nach 45 min. gerufen: Der Rubbelbatz war aufgewacht und hatte einen regelrechten Tobsuchtsanfall. Er wollte sich von keinem der drei Erzieher beruhigen lassen. Danach wollte er erst einmal 45 Minuten an der Brust trinken, bevor er sich in die Trage nehmen und nach Hause tragen ließ. Puh.

Schlafen auf dem Arm? Nein danke!

In den nächsten Tagen wiederholte sich das Schauspiel. Weil ich ihn zum Einschlafen nicht mehr an die Brust lassen wollte – wie sollte der Erzieher sonst je übernehmen – tobte er bis zu 45 Minuten vor und nach dem Schlafen. Am vierten Tag probierten wir es mit einem Fläschchen als Still-Ersatz. Er trank zwar daraus, in die Trage oder zufrieden auf dem Arm einschlafen wollte er allerdings nicht. Irgendwann gab ich frustriert auf.

Jetzt gehen wir wieder nach Hause, damit er dort in Ruhe schlafen kann. Das ist für mich zwar wirklich suboptimal, immerhin habe ich so gerade mal 2,5-3 Stunden Zeit, zu arbeiten, aber es schont meine Nerven.

Mein Fazit über das Coworking-Toddler-Projekt

Insgesamt finde ich das Projekt Coworking Toddler einfach fabelhaft. Sandra, die Gründerin, die sich vor Ort um alles kümmrt, hat alles bis ins kleinste Detail richtig hübsch gemacht und ist immer da, wenn es Probleme gibt. Man fühlt sich dort wirklich ein wenig wie in einer Familie. Alle helfen zusammen, essen gemeinsam und besprechen aktuelle Themen. Wenn es doch mal Reibereien gibt, werden die offen angesprochen und man kann sich auch danach noch in die Augen sehen.

Vor allem der Respekt, der der Eltern-Kind-Beziehung entgegengebracht wird, finde ich toll. Wenn möglich wird darauf eingegangen, woran mein Sohn gewöhnt ist und was er in speziellen Situationen braucht. Dabei sagen nicht die Erzieher uns Eltern, was sie tun sollen, sondern hören wirklich auf das, was wir sagen. Natürlich gibt es aber auch Regeln, die der Rubbelbatz dort akzeptieren muss und die durchgesetzt werden. Das ist ja auch richtig und gut so.

Für mich ist die Situation, nebenan zu schreiben, super entspannt. Ich weiß, dass ich gerufen werde, wenn mein Kind mich braucht. Eines Vormittags zum Beispiel habe ich die letzte Stunde vor dem Mittagessen mit ihm am Sandkasten verbracht – weil klar war, ihm ist jetzt alles zu viel und er will seine Mama da haben. Das ist dann gar kein Problem. Wir brauchen nicht nach Hause gehen und auch nicht seinen Alltag durcheinander bringen. Sowohl Kinder, als auch Erzieher sind die Anwesenheit der Eltern gewöhnt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Rubbelbatz.de.

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